Der Klappenschrank und das Fräulein vom Amt
       
 

So nun kommen wir mal zum Klappenschrank und damit zum Beginn der Technik in der Vermittlung. Wie sah so ein Ding denn nun eigentlich aus? Also in den Vermittlungen (es gab solche Schr√§nke auch als quasi Nebenstellenanlagen, das waren dann eher √ľberdimensionierte Telefone) fand man gr√∂√ütenteils Vermittlungsschr√§nke - keine Tische - vor. Vor so einem Schrank sa√ü dann das Fr√§ulein vom Amt" vorher der "Herr vom Amt". Gerade die Geschichte des Vermittlungspersonals ist dabei eine Interessante. Zu Beginn dieser √Ąra gab es nur M√§nner in den Vermittlungen. Das resultierte daraus das man das Postgeheimnis bei Frauen nicht gewahrt sah denn - sie tratschten ja schlie√ülich gerne. Desweiteren waren nach damaliger Auffassung Frauen nicht so belastbar wie M√§nner (Schichtbetrieb in den Vermittlungsstellen) und es gab unkalkulierbare Ausfallzeiten durch Schwangerschaften. Es stellte sich aber im allt√§glichen Betrieb heraus, das gerade Frauen - aufgrund der h√∂heren Stimmlage - und wegen des sympathischeren Auftretens (man(n) bekommt lieber von einer Frau die Wartezeit mitgeteilt) besser f√ľr den Vermittlungsdienst geeignet waren. Und siehe da, das "Fr√§ulein vom Amt" war geboren. Aber zur√ľck zum Klappenschrank. Am Anfang stand dabei der OB (Ortsbatterie) Betrieb. Das bedeutete das in jedem Telefon eine Batterie vorhanden war um den Strom f√ľr ein Telefonat zu erzeugen. In diesem System drehte man seine Linienw√§hler oder Janusschalter auf Amt und bekam eine Verbindung mit der Vermittlung. Sp√§ter gab es den ZB (Zentralbatterie) Betrieb und man musste nur noch kurbeln um ein Amt zu bekommen. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Stromversorgung von seiten der Vermittlung (Zentral f√ľr alle Teilnehmer) zur Verf√ľgung gestellt. Drehte man also zuhause an der Kurbel seines Telefons, fiel in der Vermittlung eine Klappe nach unten. Die Frau am Klappenschrank wusste nun, da will einer was und meldete sich. Sie steckte sich in die entsprechende Buchse und fragte nach dem Gespr√§chswunsch. Danach steckte sie sich in die Buchse des gew√ľnschten Teilnehmers, kurbelte ihrereits und - wenn jemand ran ging - meldete sie das Gespr√§ch. Danach verband sie die Buchsen - nicht ohne vorher zu sagen das der Teilnehmer zu sprechen sei - und man konnte telefonieren. Abschlie√üend klappte sie die Klappe wieder hoch, denn sie sah ja durch die Steckverbindung das dort gesprochen wurde. Jeder Teilnehmer war damals verpflichtet "abzuklingeln", das hei√üt das er nach Beendigung des Gespr√§chs erneut die Kurbel drehte. Dadurch viel erneut die Klappe des Teilnehmers nach unten und das "Fr√§ulein" wusste - da ja ein Kabel steckte - das das Gespr√§ch beendet war. Da es in der Natur des Menschen liegt vergesslich zu sein, wurde das "Abklingeln" des √∂fteren vergessen. Genau das f√ľhrte wiederum zu einer Erfindung die es dem Vermittlungspersonal erm√∂glichte durch einfaches Ber√ľhren der Buchsen mit ihrem Steckkontakt (es knackte wenn ein Gespr√§ch stattfand) herauszufinden ob auf den gesteckten Leitungen gesprochen wurde. Wie zu erwarten reichten nach kurzer Zeit Klappenschr√§nke f√ľr 50 Teilnehmer nicht aus. Also kam es zur Entwicklung eines Schrankes mit 100 m√∂glichen Teilnehmern. Es wurden also auf jedem Schrank 100 Teilnehmer verwaltet und f√ľr die weiteren kam jeweils ein Klappenschrank hinzu. Das f√ľhrte zu Vermittlungss√§alen in denen sich Schrank an Schrank reihte und die ein betr√§chtliches Ausma√ü hatten. Wollte jetzt beispielsweise die Nummer 100 mit der Nummer 500 sprechen - also 4 Tische weiter - wurde dies durch Zuruf oder Boten mitgeteilt und man konnte die entsprechenden Buchsen weiterverbinden. Es herrschte also Chaos pur gepaart mit einem enorm hohen Ger√§uschpegel. Genau das f√ľhrte auch dazu das gew√ľnschte Verbindungen schlichtweg vergessen wurden oder hohe Wartezeiten bis zum Zustandekommen eines Ortsgespr√§chs (10 min keine Seltenheit) an der Tagesordnung waren.

klappenschrank

 
 
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